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Sicherer Betrieb von elektrischen Anlagen

Zur Einführung der Anschlussleitungen in die Kundenanlage und – soweit erforderlich – zur Installation weiterer Betriebsmittel stellen Stromkunden auf Verlangen des Netzbetreibers auf ihren Grundstücken geeignete Flächen bzw. Räume unentgeltlich zur Verfügung.

Diese Bereiche kennzeichnen die Eigentumsgrenze zwischen öffentlichem Stromnetz und kundeneigenem Netz.

Fachgerechter Umgang

Bei größeren Kunden, zum Beispiel aus der Industrie, sind Übergabestationen notwendig. Dabei handelt es sich um elektrische Betriebsmittel der Mittel- und Niederspannungsebene, die einen sicheren und fachgerechten Umgang erfordern. Wird dieser nicht gewährleistet, kann es zu Störungen und Versorgungsunterbrechungen im Stromnetz und im schlimmsten Fall zur Personengefährdung kommen.

Verantwortung des Unternehmers

Jeder Unternehmer trägt die umfassende Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten. Er hat die Pflicht, für einen wirksamen Arbeitsschutz zu sorgen, unabhängig davon, ob er die fachliche Qualifikation dazu besitzt. Dazu gehört unter anderem, dass der sicherheitstechnisch einwandfreie Zustand der elektrischen Anlage hergestellt wird, erhalten bleibt und die elektrische Anlage den elektrotechnischen Regeln entsprechend betrieben wird.

Die Pflichten des Unternehmers ergeben sich aus verschiedenen Rechtsvorschriften, wie dem Arbeitsschutzgesetz, den Unfallverhütungsvorschriften „Grundsätze der Prävention“ (DGVU) und “Elektrische Anlagen und Betriebsmittel” (DGVU-Vorschrift 3) sowie der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Diese Pflichten kann der Unternehmer auf andere zuverlässige, fachkundige Personen übertragen. Die Unfallverhütungsvorschriften legt die Regeln für die Verantwortung des Unternehmers u.a. aus versicherungsrechtlicher Sicht fest. Weiterführend regelt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) mit Bezug auf die DGVU-Vorschrift 3 auch strafrechtliche Konsequenzen für den Unternehmer.

Lesen Sie mehr über die Grundsätze der Prävention (DGVU)

Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten

Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten sind Räume oder Orte, die ausschließlich zum Betrieb elektrischer Anlagen dienen und unter Verschluss gehalten werden. Die Grundregeln dafür sind in den „DGVU-Grundsätzen der Prävention“ und der DGVU- Vorschrift 3 festgelegt. Der Verschluss darf nur von beauftragten Personen geöffnet werden. Zu elektrischen Betriebsstätten gehören z. B. abgeschlossene Schalt- und Verteilungsanlagen, Transformatorenzellen, Schalterzellen, Verteilungsanlagen in Gehäusen oder in anderen abgeschlossenen Anlagen sowie Triebwerksräume von Aufzügen. Der Zutritt ist nur Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen gestattet. Laien der Elektrotechnik dürfen die elektrische Betriebsstätte nur in Begleitung von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen betreten. Die Formulierung „ausschließlich“ bedeutet, dass die Nutzung der abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätte für andere Zwecke, z. B. als Lager oder Aufenthaltsraum, untersagt ist.

Verantwortung und Verantwortliche für den sicheren Betrieb

Für die Sicherheit elektrischer Anlagen und die damit verbundenen Aufgaben ist die Festlegung der Verantwortlichkeiten von großer Wichtigkeit. Die Grundlagen für die Verantwortung des Unternehmens sind in den europäischen Normen der Reihe EN 50 110 festgelegt. Sie bilden die Basis für einen einheitlichen europäischen Sicherheitsstandard zum Bedienen von und Arbeiten an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen.

In das Deutsche Normenwerk wurden sie wie folgt umgesetzt:

  • DIN EN 50110-1 (VDE 0105 Teil 1),
  • DIN EN 50110-2 (VDE 0105 Teil 2) und – mit nationalem Anhang – als
  • DIN VDE 0105-100 (VDE 0105 Teil 100)

Durch die Bezeichnung der DIN VDE 0105-100 (VDE 0105 Teil 100) als elektrotechnische Regel nach § 2 Absatz 2 der Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (DGVU-Vorschrift 3) sind eindeutige Regelungen zum sicheren Betrieb von elektrischen Anlagen und zur Verantwortung des Unternehmens in das deutsche Arbeitsschutzrecht aufgenommen worden.

Die deutsche Industrienorm DIN VDE 0105-100 schreibt vor, dass jede elektrische Anlage unter der Verantwortung einer Person des Anlagenbetreibers steht. Anlagenbetreiber im Sinne der DIN VDE 0105-100 ist der Unternehmer oder eine von ihm beauftragte natürliche oder juristische Person, die die Unternehmerpflicht für den sicheren Betrieb und ordnungsgemäßen Zustand der elektrischen Anlage wahrnimmt.

Verantwortlich für die elektrische Anlage im Sinne der DIN VDE 0105-100 kann nur sein, wer mit Arbeitsvorgängen innerhalb elektrischer Anlagen vertraut ist und die örtlichen Gegebenheiten kennt. Nur so kann er die Sachlage umfassend und richtig beurteilen. Aus diesem Grund muss die verantwortliche Person Elektrofachkraft (siehe: VDE 1000- 10) mit Weisungsbefugnis oder ein Beauftragter einer Fachfirma sein. Die Beauftragung von Fachfirmen durch den Unternehmer ergibt sich in der Regel für Unternehmen ohne eigene Elektrofachkräfte.

Möglichkeit der Qualifizierung

Da Laien der Elektrotechnik abgeschlossene elektrische Betriebsstätten aus Sicherheitsgründen nur unter Aufsicht einer Elektrofachkraft betreten dürfen, müssen beispielsweise Maler oder Schlosser durch eine Elektrofachkraft ständig beaufsichtigt werden.

Alternativ kann ein Laie der Elektrotechnik zu einer „Elektrotechnisch unterwiesenen Person“ (EUP) qualifiziert werden und dadurch Zutritt zu einer abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätte erhalten. Die „elektrotechnisch unterwiesene Person“ kann dann in der Betriebsstätte begrenzte Tätigkeiten vornehmen, wie

  • Reinigen der elektrischen Betriebsräume
  • Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile
  • Freischaltungen auf Anweisung (Spannungsfreiheit feststellen u. ä.)
  • Durchführung von regelmäßigen Prüfungen an Elektrogeräten im Unternehmen

Die Qualifizierung zu einer „Elektrotechnisch unterwiesenen Person“ kann bei verschiedenen Institutionen erfolgen. Dabei werden das erforderliche theoretische Fachkundewissen sowie zu treffende Schutzmassnahmen zur Unfallverhütung und die rechtlichen Grundlagen erworben.